Beratungs­verständnis

Was den Unterschied macht.
Seen sind für Fische Inseln 
Alex­an­der Kluge
Syste­mi­sche Bera­tung war die erste Schu­le, die ich tie­fer ken­nen­ge­lernt habe — und ist bis heu­te nicht nur ein Hei­mat­ha­fen, son­dern auch ein Rah­men für vie­le Ansät­ze, die mir in der Zwi­schen­zeit begeg­net sind. Von der Hyp­no­the­ra­pie bis zur kör­per­the­ra­peu­ti­schen Arbeit an der Regu­la­ti­ons­fä­hig­keit des Ner­ven­sy­stems, von der Acht­sam­keit bis zur Arbeit mit Grup­pen­pro­zes­sen — vie­le Prin­zi­pi­en pas­sen am Ende erstaun­lich gut zusam­men. Für mich macht es viel Sinn, syste­mi­sche Bera­tung über die klas­si­schen Gren­zen hin­aus zu den­ken und an eini­gen Stel­len mit kom­ple­men­tä­ren Ansät­zen zu ergän­zen. Hier sind eini­ge Aspek­te, die mir in mei­ner Arbeit wich­tig gewor­den sind.

Systemische Beratung

Zusam­men­hän­ge sehen

Syste­mi­sche Bera­tung ver­sucht auf eine in der Tie­fe sehr kom­ple­xe Fra­ge prag­ma­ti­sche Ant­wor­ten zu geben: Wie lässt sich ein leben­di­ges System zur Ver­än­de­rung anregen?

So ein System ist zum Bei­spiel eine Orga­ni­sa­ti­on, ein Team oder ein Mensch mit sei­nen Innen­wel­ten. Um die Pro­zes­se sol­cher kom­ple­xer Syste­me gestalt­bar zu machen, fragt die Systemik, was die­se Zustän­de sta­bil hält. Frei nach Fritz Simon: Nicht­ver­än­de­rung ist erklärungsbedürftig. 

Prak­tisch heißt das: Wir blei­ben in der syste­mi­schen Arbeit nah am Men­schen und sei­nen inne­ren und äuße­ren Inter­ak­tio­nen — mit dem Anlie­gen, wider­stre­ben­de Bewe­gun­gen und Span­nungs­fel­der zu inte­grie­ren, ohne ein­zel­ne Sei­ten abzu­wer­ten. Die­se krea­ti­ve Arbeit mit Wech­sel­wir­kun­gen und Gren­zen bringt dabei mehr Spiel­räu­me und neue Hand­lungs­op­tio­nen, weil sie der Kom­ple­xi­tät der Situa­ti­on gerecht wer­den. Und damit fin­den wir klu­ge Lösun­gen, bei denen inne­re und äuße­re Beden­ken­trä­ger im Boot blei­ben kön­nen. Mit dem Fokus auf Res­sour­cen, Ver­bün­de­te und einen stim­mi­gen Plan B und C gibt das am Ende Kraft für nach­hal­ti­ge Umsetzung.

Organisation und Person

Eine über­fäl­li­ge Synthese

Die syste­mi­sche Bera­tung hat sich früh in Schu­len auf­ge­teilt, die bis heu­te spür­bar weit­ge­hend unab­hän­gig von­ein­an­der arbei­ten: Eine eher per­so­nen­ori­en­tier­te Hei­del­ber­ger und eine orga­ni­sa­ti­ons­ori­en­tier­te Wie­ner Schu­le. In der Pra­xis zeigt sich, dass die Syn­the­se bei­der Ansät­ze neu­es Poten­zi­al frei­spielt. Die Wie­ner Schu­le der Orga­ni­sa­ti­ons­be­ra­tung bringt einen Blick auf die Orga­ni­sa­ti­on als Gan­zes, Metho­den für die Gestal­tung anspruchs­vol­ler und dyna­mi­scher Chan­ge­pro­zes­se und inte­griert mit kom­ple­men­tä­rer Bera­tung auch Gene­ral Busi­ness Know How in den Bera­tungs­pro­zess. Der per­so­nen­ori­en­tier­te Ansatz syste­mi­scher Bera­tung ist vor allem wirk­sam in der Arbeit mit indi­vi­du­el­len Zwick­müh­len und nahen Inter­ak­tio­nen sowie in der Inte­gra­ti­on wider­sprüch­li­cher Posi­tio­nen und der Akti­vie­rung indi­vi­du­el­ler Resour­cen. Ich habe von Mit­be­grün­dern bei­der Bera­tungs­schu­len gelernt und inte­grie­re die Metho­den in der Praxis.

Achtsamkeit

Kraft der Präsenz

Acht­sam­keit heißt erst­mal ein­fach: Mit­be­kom­men, was gera­de pas­siert. Als Mind­ful­ness und MBSR nach Jon Kabat-Zinn ist Acht­sam­keit heu­te sehr ver­brei­tet und gut vali­diert. Der Kern aus mei­ner Sicht: Inne­re Pro­zes­se, die ich nicht mit­be­kom­me, fin­den ohne mein Wis­sen statt – und erzeu­gen oft inne­re Kon­flik­te, in denen ich kei­ne bewuss­te Stim­me habe. Das Licht ist an, aber kei­ner zuhau­se. Pro­ble­me sind oft ein­fach die Aus­wir­kung die­ser unbe­merk­ten Dyna­mik. Acht­sam­keit hilft, die­se Ebe­nen aus­zu­leuch­ten. Tie­fer als es klingt: Sobald man auf­hört, die sicht­ba­ren Tei­le inne­rer Kon­flik­te vor­wärts zu schie­ben und statt­des­sen leuch­tet und schaut, fan­gen die ver­kan­te­ten Antei­le von sich aus an, sich zu bewe­gen. Sobald Licht auf die inne­ren Tei­le und Kon­flik­te fällt, die wir irgend­wann aus guten Grün­den ins Unbe­wuss­te abge­scho­ben haben, kann die eige­ne Innen­welt wie­der atmen. Das führt mit­tel­fri­stig zu einem sta­bi­len Gefühl von Sinn, Ver­an­ke­rung und Kohä­renz des eige­nen Erle­bens – man ist mit sich im Reinen.

Prä­senz ver­än­dert. Radi­ka­ler und schnel­ler als vie­le ande­re Ver­fah­ren, die ich kenne.

Intuition

Das inne­re Wis­sen nutzen

Das Bauch­ge­fühl, die Soma­ti­schen Mar­ker von Dama­sio und die Spie­gel­neu­ro­nen der Neu­ro­bio­lo­gie – Intui­ti­on ist die Fähig­keit des Kör­pers, Infor­ma­tio­nen unter der Wahr­neh­mungs­schwel­le aus­zu­wer­ten. Durch geschul­te Kör­per­in­tel­li­genz las­sen sich inne­re Beden­ken ein­be­zie­hen, bevor sie gedank­lich ver­füg­bar wer­den. Und stim­mi­ge Ent­schei­dun­gen tref­fen, auch wenn kogni­tiv vie­les dage­gen spricht. Mit dem Fokus auf die lei­se­ren Stim­men von inne­rem Wis­sen bekommt die Innen­welt ein Daten­up­date. Und über die Spie­gel­neu­ro­nen bringt geschul­te Intui­ti­on Reso­nanz­phä­no­me­ne ins Erle­ben, mit denen neue Infor­ma­tio­nen über das Außen im inne­ren Erle­ben zugäng­lich wer­den. Bei­des stärkt nicht nur den Kli­en­ten, son­dern ist auch Kata­ly­sa­tor im Bera­tungs­pro­zess: Reso­nan­zen des Bera­ters hel­fen, ver­deck­te Muster im Kli­en­ten­sy­stem schnel­ler fühl­bar zu machen. Und das wie­der­um bringt neue Impul­se in die syste­mi­sche Hal­tung des Nicht­wis­sens. Was bleibt ist eine Augen­hö­he, in der der Kli­ent das letz­te Wort behält.

Emotionen nutzen

Schmie­den, was heiß ist.

In der klas­si­schen syste­mi­sche Bera­tung blei­ben Emo­tio­nen oft unter­be­lich­tet als Aus­druck von men­tal gedach­ten Zwick­müh­len – gear­bei­tet wird dabei oft mehr mit den inne­ren Ambi­va­len­zen als mit den Emo­tio­nen. Dabei spie­len Gefüh­le eine so zen­tra­le Rol­le im Erle­ben, dass sie oft aus­schlag­ge­bend dafür sind, inne­re Span­nungs­zu­stän­de über­haupt auf­zu­bau­en. Die syste­ma­ti­sche Arbeit mit den Regu­la­ti­ons­me­cha­nis­men von Emo­tio­nen ist aus mei­ner Sicht ein Schlüs­sel für tie­fer­ge­hen­de Ver­än­de­run­gen. Denn letzt­lich sind es Emo­tio­nen, die uns leben­dig wer­den las­sen. Gebän­dig­te Kräf­te, die als Lebens­en­er­gie ver­füg­bar wer­den, wenn sie wie­der an den Kreis­lauf des Systems ange­schlos­sen wer­den: Als Tacho­mat für eige­ne Gren­zen, Kom­pass für Ent­schei­dun­gen, Agent für Ver­bun­den­heit, Kraft­quel­le um kla­ren Stand zu bezie­hen, Gewicht für den Fuß­ab­druck in der Welt.

Vorbewusstes und die Regulation des Nervensystems

Anset­zen, wo Erle­ben entsteht.

Dass es ein Unbe­wuss­tes gibt, das erheb­li­chen Ein­fluss auf unser Erle­ben hat, wis­sen wir seit Freud. Nur die Metho­den haben sich in über hun­dert Jah­ren moder­ni­siert: Hyp­no­the­ra­pie, Metho­den aus der Acht­sam­keit und Kör­per­the­ra­peu­ti­sche Ansät­ze wie Soma­tic Expe­ri­en­cing set­zen direkt dort an, wo das Erle­ben ent­steht: In Bil­dern, unwill­kür­li­chen Bewe­gun­gen, sub­ti­len Kör­per­emp­fin­dun­gen oder Bewe­gun­gen des Ner­ven­sy­stems kön­nen wir direkt mit den Reiz­ver­ar­bei­tungs­pro­zes­sen auf Mit­tel- und Stamm­hirn­e­be­ne arbei­ten. Die Ver­fah­ren sind mitt­ler­wei­le sehr prä­zi­se aus­ge­ar­bei­tet und wis­sen­schaft­lich gut erforscht – zum Bei­spiel als Men­tal­trai­ning, mit dem Lei­stungs­sport­ler sich auf Wett­kämp­fe vor­be­rei­ten, oder im Rah­men der kli­ni­schen Trau­ma­the­ra­pie. Über­all dort, wo über­ra­schen­de emo­tio­na­le Ladun­gen oder unwill­kür­li­che inne­re Reak­tio­nen auf­tre­ten, wo inne­re Zwick­müh­len schwer lös­bar schei­nen oder schlicht mehr Resi­li­enz im Umgang mit Her­aus­for­de­run­gen auf­ge­baut wer­den soll, haben sich die­se Ver­fah­ren bewährt. Denn wenn das Unbe­wuss­te mit im Boot ist, kann inne­res Erle­ben aktiv gestal­tet wer­den und man ver­bün­det den inne­ren Geg­ner. Und dann kann eigent­lich nicht mehr viel passieren.

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